Wachsplatten erfolgreich mit dem Plotter schneiden – auch filigran

Kerzen gehören zur Weihnachtszeit einfach dazu! Wie man diese auch mit Hilfe des Plotters mit Wachsplatten verzieren kann habt Ihr schon in einem Video erfahren - hier kommt noch die schriftliche Version dazu. Da Marken genannt werden muss natürlich auch wieder der Hinweis dazu "Werbung wegen Markennennung". Die Hersteller haben jeweils nichts damit zu tun.

Plottertante Miriam und Martina von Mrs.ART.ina haben am 12.12.2020 ein Video gemacht, wie man Kerzen wunderbar selbst verzieren kann, indem man mit dem Plotter Wachsplatten schneidet. Gerade zur Weihnachtszeit möchten viele gerne selbstdesignte Kerzen haben oder verschenken, aber es ist immer wieder ein Thema, inwiefern die Verwendung von Vinylfolie, Wasserschiebefolie oder Servietten vielleicht doch gesundheitlich oder aus Sicherheitsgründen problematisch ist. Wachs ist da das ultimative Material, um all diese Diskussionen vermeiden zu können.
Martina hat das Design in Procreate vorbereitet, es kann aber natürlich auch auf Papier vorgezeichnet werden und dann digitalisiert, oder eine bestehende Lettering-Datei kann verwendet werden. Da es später aus Wachsplatten ausgeschnitten werden soll, dürfen die Designs natürlich – gerade wenn man erst anfängt mit dieser Technik , und noch die Übung fehlt – nicht zu filigran sein. Selbst wenn der Plotter es geschnitten kriegt muss man das Wachsdesign ja noch von Hand auf die Kerze übertragen, und das braucht ein bisschen Fingerspitzengefühl und ganz viel Übung. Es kann also sicherlich nicht schaden, mit etwas „gröberen“ Designs zu beginnen, und wenn der Ablauf dann „sitzt“ zu den filigraneren Sachen überzugehen.

Man staunt, WIE filigran doch geschnitten werden kann, wie man auf der weißen Kerze sieht.

Im Video (und somit auch hier im Text) geht es um das Design auf der grünen Kerze, bei dem die Linien etwas dicker, und daher auch leichter hinterher von Hand weiter zu verarbeiten sind.

Vorbereitete Designs sollten als PNG mit transparentem Hintergrund abgespeichert werden, wenn sie nicht schon als SVG vorliegen. Dann lassen sie sich in Design Space oder im Silhouette Studio sehr einfach weiter vorbereiten. Auch mit den Brother-Geräten kann man Wachs schneiden, wie sich im Laufe des Videos anhand von Kommentaren von Brother-Benutzern bestätigte.

Wenn möglich, sollte man sein Design in mehrere Teile aufteilen, damit nicht zu viel auf einmal geschnitten werden muss. (Hier z.B. wurde in drei “Portionen” geschnitten, “Frohes”, “Fest” und das Häuschen. Auch das Aufbringen ist dann deutlich einfacher.

Gute Vorbereitung des eigentlichen Schneide- und Aufbringvorgangs ist dann alles. Damit das Wachs mit dem Plotter geschnitten werden kann, muss es so kalt wie möglich sein. Daher werden die Wachsplatten einige Stunden bevor man beginnen möchte ins Tiefkühlfach gelegt, bis sie gut durchgefroren sind. Da sie nach dem Rausnehmen relativ rasch wieder Raumtemperatur annehmen, muss man dafür sorgen, dass sie eben nicht lange ungekühlt auf dem Schreibtisch liegen. Also entweder stellt man sich schonmal auf viele Wege zwischen Tisch und Kühlgerät ein, oder man bewahrt die tiefgekühlten Platten z.B. (um nicht dauernd laufen zu müssen) in einer Kühltasche mit Kühlakkus neben dem Schreibtisch auf.
Solche Kühlakkus (wie sie auf dem Bild weiter unten zu sehen sind), hat fast jeder zu Hause. Alternativ könnte man sonst auch eine verschließbare, flache Plastikschüssel mit geradem Boden mit Wasser füllen, und einfrieren, oder einfach einen Gefrierbeutel mit Wasser füllen, gut verschließen, und zum Einfrieren flach hinlegen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, Hauptsache man erhält etwas Flaches, das man gut hinlegen kann.
Ein weiterer Tipp kam aus der Schar der Zuschauer: Es schadet bestimmt nicht, auch das Messer vorher zu kühlen.

Auch während der Arbeit ist es sinnvoll, die Wachsplatten immer mal wieder mit Hilfe eines Kühlakkus „nachzukühlen“ (Hier dann am besten ein Stück Backpapier zwischenlegen, damit die Wachsplatten nicht nass werden, da sich an den Kühlakkus ja rasch Kondenswasser bildet). Es kann auch nicht schaden, einen Kühlakku oben auf, und einen unter die Matte zu legen.

Martina hat gute Erfahrungen mit Wachsplatten von Rayher (Verzierwachs). Diese lassen sich gut einfrieren und später auch gut weiterverarbeiten. Die Platten von Rayher kommen auf einem Trägerpapier. Dies sollte man auch auf der Platte lassen, und die tiefgekühlte Platte dann mit dem Trägerpapier nach unten auf eine leichtklebende Matte kleben. Dann wird vorübergehend mit einem Stück Backpapier abgedeckt, und ein „Kühlschritt“ gemacht, da das Wachs ja durch das Anfassen mit der Hand mittlerweile wieder etwas warm geworden sein kann. Die Wachsplatte ist dann auf jeden Fall bestens gekühlt, wenn sie in den Plotter geschoben wird, und man hat außerdem Ruhe, um alle weiteren Vorbereitungen machen zu können.

Zunächst muss man kontrollieren, ob man vorhandene Führungsräder des Plotters bereits zur Seite geschoben hat (Im Bild oben sitzen die weißen Führungsräder des Makers schon rechts am Rand), da diese das Wachs beschädigen (und natürlich auch selbst verschmutzen) würden. Falls die Räder noch nicht weggeschoben wurden, ist jetzt der richtige Moment dafür.
Und zum Thema „Schmutz“ noch ein wichtiger Hinweis: Es ist nicht ganz auszuschließen, dass das Kerzenwachs sich beim Plotter an der Klinge, im Messer oder womöglich auch etwas am Werkzeughalter festsetzt. Hier übernimmt natürlich jeder selbst die Verantwortung. Bislang sind keine „schlimmen“ Folgen bekannt, aber man sollte sich bewusst sein, dass das Schneiden von Wachsplatten nicht komplett ohne „Spuren“ vonstattengeht. Normalerweise lässt sich alles wieder leicht säubern. Zum Reinigen nimmt Martina alkoholfreie Babyfeuchttücher, falls sich dort etwas Wachs hin verirrt hat, wie in diesem Fall hier ein bisschen grüner Wachs.

Auch die Cricut-Klinge reinigt sie relativ einfach mit Babyfeuchttüchern (ohne Alkohol), da man die Klinge leicht mit Hilfe des kleinen Stiftes, der oben am Halter ist, rausdrücken kann.

Bei Silhouette muss man das Messer aufschrauben zum Reinigen, ebenso bei Brother.

Die Klinge kann man auch gut mit einem geknüllten Aluball säubern. Einfach ein paarmal mit der Klinge in den Aluball pieksen zum Reinigen und „nachschärfen“ der Klinge.

Die Materialeinstellung für Cricut muss man dann selbst übernehmen. Bei Martina funktionierte es ganz gut mit Finepointblade 120. Beim Herstellvorgang setzt sie dann noch ein Häkchen bei „weniger Druck“

Als Anhaltspunkt für ihre Werte hat Martina Flockfolie genommen, da dabei die Dicke im Vergleich zur Wachsplatte etwa übereinstimmt. Die genauen Schneideeinstellungen müssen tatsächlich von Wachsplatte zu Wachsplatte gegebenenfalls etwas angepasst werden, da selbst verschiedene Farben desselben Herstellers teilweise unterschiedliche Eigenschaften aufweisen. Somit sind die Angaben hier nur als Faustregel zu sehen, damit man schon einmal in etwa weiß, wo man mit dem Probieren anfangen kann. Und immer besser zu leicht, als zu stark beginnen beim Ranrasten!

Für Silhouette müsste man sich das Ganze umrechnen, aber auch hier kann man die Werte für Flockfolie als Ausgangspunkt für die Versuche ansetzen. Brother mit dem Automatikmesser ist hier noch etwas „anders“, da dieser Plotter ja seine Einstellungen komplett selbst übernimmt. Aus dem Kreis der Zuschauer beim Video kam aber der Tipp, das Messer „in den Negativbereich“ zu setzen (was immer das bedeutet – Brothernutzer können hoffentlich damit etwas anfangen, ich selbst kenne mich da – noch(!) – nicht aus.)

Da der Plan ist, das Wachs später mit Hilfe des Trägerpapieres auf die Kerze zu bringen, muss das Design vor dem Schneiden gespiegelt werden. (Ähnlich, wie wir das vom Arbeiten mit Flex und Flock kennen, wo ja auch der Träger auf der Matte liegt.)

Sicherheitshalber klebt man die Wachsplatte nicht ganz an den Rand der Matte, um auf jeden Fall genug Abstand von der Transportrolle zu haben.
Natürlich muss das Design auf der virtuellen Matte dann entsprechend ausgerichtet werden, damit der Plotter nicht neben der Wachsplatte schneidet – logisch!

Die Wachsplatte wird gut festgerollt (zum Schutz der Wachsplatte wieder mit Backpapier drauf. Gerollt wird entweder mit einer Rolle, wie sie von verschiedenen Plotterherstellern angeboten wird, oder ganz einfach mit einer Tapezier-Rolle aus dem Baumarkt. Diese ist etwas breiter und weicher, aber genauso gut, wenn nicht sogar besser geeignet, da man nicht Gefahr läuft mit dem Rand der Rolle „Rillen“ ins Wachs zu drücken). Anschließend wie nach jedem Schritt: nochmal kühlen! (Und auch dabei wie immer: Backpapier nicht vergessen).
Dann sofort die Matte einlegen, und den Schnitt starten. Hier wird das Backpapier nicht mehr benötigt, geschnitten wird nur die Wachsplatte, die, wie wir uns erinnern, auf dem Trägerpapier auf der Matte klebt.

Den Schnitt sollte man gut beobachten, und im Bedarfsfall zwischendurch pausieren und vielleicht auch das Messer nochmal reinigen, wenn Wachs dran sitzt.

Ich finde es unglaublich, wie fein der Plotter hier das Design aus dem Wachs ausgeschnitten hat!

Mit Hilfe eines Skalpells kann man dann das Design grob ausschneiden. Je weniger „außenrum“ dran hängt, umso einfacher wird das weitere Arbeiten. Allerdings sollte man sich noch genug Träger zum späteren Anfassen beim Positionieren übriglassen!

Dann nimmt man vorsichtig mit Hilfe eines Spatels die Wachsplatte zusammen mit dem Trägerpapier von der Matte. Das geht wie immer am besten, indem die Matte umgedreht und vorsichtig weggebogen wird.

Am besten ist es, wenn das Trägerpapier nicht mitgeschnitten ist. Sollte dies aber passiert sein, ist es auch nicht dramatisch. Dann ist es zwar etwas „friemeliger“ das Werk von der Matte zu kriegen, man kann aber trotzdem noch weitermachen.

Nun wird, wie man es von Folie kennt, entgittert. Verwenden kann man auch alle davon bekannten Werkzeuge von spitzer Pinzette über Haken oder was einem halt am besten dafür in der Hand liegt. Das geht super, wenn man dabei den Kühlakku unter das Wachs legt. Gegebenenfalls, wenn alles zu weich wird, kann man das geschnittene Design auch nochmal zwischendurch in den Tiefkühler legen.

Hier sieht man leichte Unebenheiten am Rand des Designs, die von der Klinge verursacht wurden. Aber das macht nichts. Durch das Spiegeln verschwinden diese später, da diese zurzeit „obere“ Seite ja auf die Kerze kommt.

Das Trägerpapier kann man dann noch weiter zurechtschneiden, und das Wachsdesign dann mit seiner Hilfe auf der Kerze positionieren. Damit die Kerze beim Aufbringen nicht dauernd wegrollt, kann man sie z.B. auf ein leicht geknülltes, weiches Tuch legen. Wichtig: Nichts Hartes benutzen, damit man das Wachs der Kerze nicht beschädigt – aber das ist ja eigentlich eh klar, oder?

Wenn man schön warme Hände hat, und damit das noch mit dem Trägerpapier abgedeckte Design auf der Kerze bedeckt und schön fest und gleichmäßig andrückt, reicht es manchmal schon, dass das Wachs hält. Moderates Anföhnen und nochmaliges Festdrücken kann aber auch helfen, das Design auf die Kerze zu bringen (Hier natürlich aufpassen, dass man nicht zu viel Hitze verwendet, damit das Wachs der Kerze nicht anschmilzt!). Danach wird das Trägerpapier vorsichtig abgezogen und man kann sich am Ergebnis erfreuen.

Nun werden nacheinander die übrigen Teile des Designs geschnitten und aufgebracht.
Beim Weiterarbeiten zwischendurch auch immer mal wieder mit Hilfe des Kühlakkus die Wachsplatte, die gerade in Arbeit ist, kühlen.

Das Messer zwischendurch immer wieder mit Babytüchern (alkoholfrei) reinigen.

Wachsreste vom Entgittern kann man wunderbar aufheben und z.B. für kleine Sterne oder andere kleine „Ergänzungen“ verwenden.

Am genauesten geht dies mit Hilfe von PixScan (Silhouette), SnapMat (Cricut) oder eben dem eingebauten Scanner von Brother. Wenn es schneller gehen soll, muss man eben mit gutem Augenmaß sehen, dass auf der Matte der Wachsrecht so aufgebracht ist, dass es zur virtuellen Matte passt.

Mit Hilfe von Lineal und Skalpell kann man auch kleine „Strichsterne“ schneiden und Aufbringen (mit dem flach gehaltenen Skalpell leicht am Wachs der Kerze andrücken. Durch leichtes Quetschen und Verstreichen der schmalen Streifen am Rand erzeugt man eine Art „Sternschnuppeneffekt“, und der Streifen hält nochmal besser.

Mit Wachslinern kann man dann noch ergänzend schöne kleine „Schneetupfen“ machen, und auch einen 3D-Schnee-Effekt erzeugen.

Das Ergebnis haut mich total um, und ich muss das unbedingt auch selbst mal ausprobieren, sobald ich irgendwo Wachsplatten auftreiben konnte!

Ich hoffe, es ist mir gelungen, Martinas tolle Erklärungen hier in schriftlicher Form verständlich wiederzugeben. Schaut Euch auf jeden Fall auch gerne das Video an, wenn man sie arbeiten sieht erklärt sich alles nochmal viel besser wie von selbst.

Dann wünsche Ich Euch viel Spaß beim Nachmachen, und postet auf jeden Fall Eure Werke bei Plottertante und/oder Mrs.ART.ina, wir möchten alle sehen, was Euch da so für tolle Sachen einfallen!


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