Welchen Plotter soll ich mir holen?

Welchen Plotter soll ich mir holen?

Zu diesem Thema hat Miriam schon eine Live-Fragestunde am 03.September 2020 (zu sehen hier🙂 gesendet. Und wie dort bereits festgestellt wurde, kann man diese Frage nicht allgemein beantworten, da zu viele persönliche Ansprüche und Wünsche da hineinspielen. Jeder muss also für sich selbst herausfinden, was seine Vorstellungen sind, und welches Gerät da am ehesten zu passt (und zum Geldbeutel natürlich auch). Leider gibt es im Bereich der Plotter für den Hobbybereich nicht die „Eierlegende Wollmilchsau“, die wirklich alle Wünsche erfüllen könnte. Das Nachdenken kann Euch also keiner abnehmen. Aber beim Denken helfen – das klappt vielleicht. Ich versuche es mal.

Was gibt es denn so?

Die im Hobbybereich wohl bekanntesten Hersteller von Schneideplottern sind Silhouette, Cricut und Brother. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Beitrags (Ende 2020) sind die wohl bekanntesten Geräte
von Silhouette der Cameo 4

Welchen Plotter soll ich mir holen?

(sowie die größeren Varianten dieses Gerätes, der Cameo PLUS und bald auch der Cameo PRO) und

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der Portrait 3 im Handel,

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Cricut bietet Explore Air 2,

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Maker

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und Joy an,

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und bei Brother findet man mehrere ScanNCut-Geräte der CM-Serie

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und der SDX-Serie.

Welchen Plotter soll ich mir holen?

Ich selbst besitze seit Anfang 2017 einen Silhouette Cameo 2, der Weihnachten 2019 Gesellschaft von einem Cricut Maker bekommen hat, und im Juli 2020 ist auch noch eine Joy hier „eingezogen“. (Ich „gendere“ die Geräte übrigens ganz nach Gefühl. Eine Möglichkeit zur Geschlechtsbestimmung hab ich noch nicht herausgefunden. 😉) Was soll ich sagen – die drei stehen hier alle nicht nur rum, sondern jeder hat seinen eigenen Einsatzbereich. Bei Brother habe ich keine eigene Erfahrung, und muss mich auf das verlassen, was ich so im Netz finde. Es wird sich also im Beitrag nicht vermeiden lassen, dass Ihr auch mal meine ganz persönliche Meinung zu lesen bekommt.
Und, da man das ja heute immer dazu schreiben muss: Ich schreibe den Text hier komplett aus eigenem Antrieb, und stehe mit keinem der Hersteller in irgendeiner Verbindung. Alles, was an Lob und Kritik hier stehen wird, kommt somit aus meiner persönlichen Einschätzung, Erfahrung, und dem, was ich so im Netz dazu lesen und anschauen konnte.

So, genug der Vorrede, auf in den Kampf, bitte anschnallen, es geht los. Ich hoffe, Ihr habt Zeit mitgebracht, und auch ein bisschen Eigeninitiative, denn ich werde Euch manchmal schlicht verlinken, wenn es um Spezifikationen geht. Das würde hier im Beitrag sonst zu viel.
(Und an dieser Stelle mal wieder noch etwas „Besserwisserwissen“ – wer mich kennt weiß, dass ich das immer mal wieder gerne einstreue 😉. Also, wer selbsttätig „weitergoogeln“ möchte: Lasst Euch nicht verwirren, es gibt nämlich Plotter und Plotter! Neben den in diesem Beitrag behandelten Schneideplottern, die schneiden oder zeichnen, aber nicht drucken, gibt es auch „Großformat-Drucker“, die ebenfalls Plotter genannt werden, aber entweder nur mit einem Stift arbeiten oder eben nur drucken, und nicht schneiden. Das Ganze kommt vom englischen „to plot“, was so viel heißt wie „grafisch darstellen“.)

Grundsätzliches – Wo gibt es Ähnlichkeiten?

Zunächst kann man sagen, dass die Geräte der drei oben genannten Hersteller bei allen Unterschieden doch auch wieder sehr ähnlich sind.
Mit allen kann man die „üblichen“ Folien schneiden, also selbstklebende Vinylfolien (für Fensterdekorationen, Aufkleber, Wandtattoos, Schablonen…), genauso wie Flex und Flock zur Textilveredlung (Bügelbilder für Kleidung, Kissen, Schirme, Bucheinbände…). Und auch Papier bereitet keinem der Plotter unüberwindbare Hindernisse, ist allerdings etwas „zickiger“ und man muss mehr selbst ausprobieren, wie die besten Einstellungen dafür sind. Bei allen kann man (aber nicht bei allen muss man) das zu schneidende Material auf Schneidematten kleben, bevor man es in den Plotter einführt. Auch (dünne) Stoffe kann man bei Verwendung der richtigen Werkzeuge schneiden, je nach Gerät und verfügbarem Werkzeug mit oder auch ohne „Verstärkung“ auf der Stoff-Rückseite.
Alle Geräte benötigen „Plotterdateien“ (also Vektordateien, Computergrafiken aus einer mathematischen Verbindung zwischen zwei Punkten in einer festgelegten Linie), damit sie schneiden können – ein bisschen Kenntnis in der Bedienung von Vektorprogrammen ist also bestimmt nicht verkehrt, aber für die grundlegende Bedienung eines Plotters auch wieder nicht unbedingt erforderlich. (Nur mit macht’s nochmal deutlich mehr Spaß, glaubt mir!).

Und was unterscheidet die Geräte nun?

Unterschiede gibt es hauptsächlich in der maximal möglichen Länge und Breite des Materials, das in einem Arbeitsschritt bearbeitet werden kann, ob man immer mit Matte arbeiten muss, oder auch „Rollenware“ schneiden kann, sowie dadurch, wie dick das Material maximal sein darf, damit es zum einen noch in den Plotter passt (bestimmt durch die Durchlasshöhe), und zum anderen das Messer es ganz durchschneiden kann (Schneidtiefe), und auch in der Materialdichte (also wie „hart“ das Material sein darf, damit der Plotter es noch geschnitten kriegt, bestimmt durch den Anpressdruck, Schneiddruck oder die Schneidkraft – alles Namen für die gleiche Eigenschaft, nämlich wieviel „Wumms“ der Plotter hat, um es salopp auszudrücken).
Und natürlich unterscheiden die Geräte sich in der Anzahl an unterschiedlichen „Werkzeugen“, die der Plotter verwenden kann, und damit in den Möglichkeiten, was man alles damit machen kann. Neben Schneiden können die Geräte auch zeichnen, und manche sogar noch (viel) mehr als das. Hier, und in der Software, die den Plotter „leitet“ liegen also die Gebiete, die man sich hauptsächlich ansehen sollte, wenn man nach einer Entscheidung sucht, welchen Plotter man kaufen möchte. Neben der Betrachtung des Preises natürlich, denn auch dort gibt es ziemliche Unterschiede. Und da wir gerade von Preisen sprechen: Auch die Kosten für „Verbrauchsmaterial“ wie Schneidematten und Ersatzmesser sollte man in die Betrachtung einbeziehen. Hier ist dann auch interessant ob und welche Zubehörteile von „Fremdherstellern“ zu dem Gerät passen, denn damit kann man zum einen manchmal die Möglichkeiten noch interessant erweitern, zum anderen auch den einen oder anderen Euro sparen. (Wobei man immer im Blick behalten sollte, dass die Hersteller natürlich nicht so begeistert sind, wenn man nicht ihre eigenen Erzeugnisse verwendet, und man so leicht mal die Garantie verlieren kann.)

Ich habe mich entschieden, hier nicht alle Einzelheiten zu den grundlegenden Spezifikationen der Geräte aufzuzählen. Dann würde ich vermutlich immer noch schreiben, wenn längst die nächste und übernächste Generation der Geräte auf dem Markt ist, es würde unendlich trocken und langatmig, und die Daten findet man ja alle ganz einfach im Internet.

Ich stelle Euch stattdessen hier ein paar Links ein, damit Ihr nicht lange suchen müsst, wenn Ihr mehr technische Details zu einem Gerät wissen wollt.

Spezifikationen zu den Geräten

Cricut
Übersicht
Joy
Explore Air 2
Maker

Silhouette
Vergleich Cameo 4 vs. Portrait 3
Portrait 3
Cameo 4
Cameo Plus
(Der Cameo PRO erscheint vermutlich irgendwann Ende 2020. Er sollte sich dann in der Übersicht finden lassen)
Und der Vollständigkeit halber noch ein Link zu einem „Nischengerät“, das etwas anders ist als die übrigen Plotter, das aber vielleicht trotzdem für den einen oder anderen interessante Möglichkeiten bietet. Curio

Brother
ScanNCut-Schneidemaschinen

So, und jetzt versuche ich ein paar Wegweiser zu setzen für Euren Weg zu Entscheidungsfindung.

Materialgröße

Das ist mit eine der grundlegenden Entscheidungen, die Ihr ganz zu Beginn treffen müsst. Wie groß sollen Eure Werke werden?
Die Joy ist wirklich winzig, aber wenn man nur Karten machen möchte, oder mal kleine Aufkleber zur Kennzeichung von was auch immer, dann ist sie völlig ausreichend. Und sie hat definitiv einen „Niedlichkeitsbonus“, und ist aufgrund ihrer Maße auch gut mal irgendwohin mitnehmbar.
Der Portrait schafft in der Breite nur etwa DIN A4 (20,3cm). Das reicht völlig, wenn man z.B. viel Print and Cut macht, und sowieso keinen A3-Drucker besitzt. Auch bei Folien zur Textilveredelung ist A4 meist ausreichend.
Alle anderen können Material bis zu einer Breite von etwa 30 cm (30,5cm bei Cricut und Silhouette, 29,7cm bei Brother) verarbeiten. (Cameo PLUS sogar bis 38,1cm, und Cameo PRO soll bis zu 50,8cm bieten).

Beim Maker und Explore Air muss immer eine Matte verwendet werden, man kann also in der Länge maximal 61cm verarbeiten.
Die Joy „beherrscht“ ein eigenes „Smart“-Material, das auch ohne Matte geschnitten werden kann. Man kann in einem Arbeitsgang dann entweder ein Design bis zu einer Länge von 1,2m oder wiederholte Schnitte mit einer Länge von bis zu 6m schneiden lassen.
Auch die Brother-CM-Geräte benötigen zum Schneiden immer eine Matte, in der DX-Serie kann man unter Verwendung des optional erhältlichen Rollenhalters auch „von der Rolle“ und ohne Matte arbeiten, dann bis zu 1,8m Länge.

Portrait und Cameo beherrschen ebenfalls neben dem Schneiden auf der Matte auch die Verarbeitung von „Rollenware“, und man kann so bis zu 3m lange Designs realisieren. Dafür sollte man aber auf jeden Fall den (beim Cameo eingebauten, beim Portrait separat erhältlichen) Rollenhalter verwenden, damit das Material gerade eingezogen wird. Neu ist bei Silhouette das Schneiden von Papier ohne Matte, der sogenannte Pop-Out-Cut. Dabei wird der Schnitt stellenweise unterbrochen, so dass die Papierteile später aus dem Blatt „herausgebrochen“ werden müssen.

Durchlasshöhe, Schneidkraft, Möglichkeiten

Die nächste Frage, die man sich stellen sollte, ist, WAS man denn alles schneiden bzw. verarbeiten möchte.

Die gängigen Folien und Papiere können mit allen Plottern verarbeitet werden. Wer also nur „normale“ Textilveredelung machen möchte, oder mal ein paar Digistamps schneiden, für den reicht der Portrait oder der Explore Air 2 auf jeden Fall aus. Wenn es aber etwas dicker und/oder härter werden soll, oder wenn man ganz andere Dinge wie z.B. Gravieren machen möchte, muss man genau schauen, ob der Plotter das auch kann. Dafür empfehle ich immer den Blick auf die Herstellerseiten. Dort findet man in der Regel die vollständigste – und vor allem immer die richtige und aktuelle – Beschreibung.
Auch Youtube bietet hier jede Menge Informationen, wo man sich ansehen kann, was im Reich des jeweiligen Plotters so möglich ist. Da die Wünsche und Vorstellungen auch hier sehr unterschiedlich und die Möglichkeiten schier endlos sind kann ich dazu unmöglich alles in einem Beitrag zusammenfassen (oder habt Ihr so 2-3 Wochen Zeit und Lust weiterzulesen?) Ich bin jedes Mal wieder selbst erstaunt, wenn ich mal stöbern gehe, was den Leuten da noch so alles eingefallen ist, was man mit einem Plotter noch alles anstellen kann. Also Vorsicht! Hohes Suchtpotenzial! Aber sinnvoll, da erstmal intensiver reinzuschauen, bevor man sich für einen bestimmten Plotter entscheidet. Blöd nämlich, wenn man erst im Nachhinein sieht, was man alles machen könnte, und ausgerechnet der Plotter, für den man sich entschieden hat, kann gerade DIESE EINE SACHE nicht.

Wenn man unsicher ist, ob ein bestimmter Plotter eine bestimmte Funktion ausführen kann oder nicht, empfiehlt sich auch immer ein Blick bzw. eine aktive Frage in einer Plottergruppe auf Facebook. Dort sind viele Nutzer der Geräte unterwegs, und die Wahrscheinlichkeit, dass wenigstens einer davon das, was man wissen möchte, schon mal ausprobiert hat, ist hoch. Auch gerne immer vorher die Suchfunktion in den Gruppen nutzen! Oft erübrigt sich dadurch eine Frage.

Die Joy eignet sich aufgrund der Größe und der Schneidkraft „nur“ für kleine Projekte mit dünnen, leicht schneidbaren Materialien (Papier, dünner Karton, Folie). Dafür hat sie aber eine „Kartenschneidefunktion“ bei der man mit Hilfe einer speziellen Schneidematte sehr einfach und schnell Faltkarten aus fertigen Rohlingen herstellen kann. Auch das spezielle Folienmaterial für die Joy (Smart-Material) hat seinen eigenen Reiz, da man Kleinigkeiten „mal eben“ ohne Matte arbeiten kann. Meine Meinung: Der Trend geht hier ganz deutlich zum „Zweitplotter“. Die Joy alleine würde mir persönlich nicht reichen, aber als Zusatzgerät ist sie schon sehr cool!
Messer und Stifte der Joy passen in kein anderes Gerät, und andersherum kann man in der Joy auch keine Werkzeuge oder Stifte anderer Cricut-Geräte verwenden.

Portrait und Explore Air 2 haben jeweils nur Messerhalter mit „Normalkraft“ (Portrait einen, Explore Air 2 zwei davon) und bedingt dadurch auch keinen so großen „Werkzeugumfang“, beherrschen aber beide alle bei „normalen“ Plottern zu erwartenden Fähigkeiten. Man kann also einiges an Geld sparen, wenn man sicher ist, dass man „nur“ altbekannte Plotterprojekte realisieren möchte und im Fall des Portrait mit weniger Größe zufrieden ist.

Ein Tipp am Rande: Plotterunabhängig sollte man sich auf jeden Fall wenigstens 2 Messer / Klingen anschaffen, eine für Folien und eine für Papier. Papier lässt aufgrund seiner Fasern Klingen schneller stumpf werden, und Folienschnitte würden danach womöglich nicht mehr so exakt.

Der Maker hat vermutlich das größte „Zusatzangebot“ an Werkzeugen. Von den zwei verbauten Werkzeughaltern kann einer deutlich mehr Kraft auf die Matte bringen, und dieser ist auch für die „neuen“ Werkzeuge gedacht. Die Durchlasshöhe beträgt 3 mm, es passen also auch etwas dickere Materialien in den Plotter. Durch die höhere Schneidkraft des einen Messerhalters sind deutlich mehr Materialien verarbeitbar als das z.B. beim Cricut Air 2 mit weniger „Wumms“ (und daher auch weniger Werkzeugen, weil manche eben den „neuen“ Halter benötigen) der Fall ist.
Die Einstellungen der Werkzeuge nimmt man bei Maker vollständig im Menü der Software vor, der Explore Air 2 hat (zusätzlich) ein Einstellrad auf dem Gehäuse. Das Menü „sagt“ einem auch jeweils, welches Werkzeug in welchen Halter einzusetzen ist, und die Software prüft auch immer noch einmal, ob man das auch richtig gemacht hat. Am Werkzeug selbst wird also aktiv nichts verstellt. Wenn ein Messer stumpf wird, kann man die „Blades“ (Klingen) auswechseln, der Halter wird weiterverwendet. Ähnlich ist es bei den neuen Werkzeugen. Auch hier kann man in den jeweiligen Haltern (Quick Swap Housing) das „Verbrauchsmaterial“ (Tip) auswechseln bzw. benötigt nur einen Halter für mehrere Vorsätze, die man dann jeweils sehr einfach austauschen kann. (Schaut für mehr Informationen dazu gerne mal im Blog unter Cricut – Werkzeugübersicht)
Eine Besonderheit des Cricut Maker ist das Rollmesser, mit dem man auch dünnere Stoffe ohne weitere Verstärkung schneiden kann. Da das Messer über den Stoff rollt, und nicht gezogen wird, verzieht sich der Stoff nicht auf der Matte, und man bekommt sehr saubere Schnitte. Der Maker ist somit auch gut als Hilfe beim Quilten geeignet, oder zum Zuschneiden von Applikationen oder (durch die Begrenzung auf maximal etwa 30 cm in der Breite) kleinerer Schnittmuster.
Es gibt neben den vielfältigen Cricut-eigenen Stiften auch einige andere, die ohne Adapter in den Halter passen. Ich habe das ausprobiert, und es hat bei mir gut funktioniert. Dies solltet Ihr jetzt aber bitte nicht als Empfehlung lesen, sondern nur als Hinweis, da der Halter durch zu dicke „fremde“ Stifte beschädigt werden könnte, oder wenn man sie nicht sanft genug einsetzt. Wenn Ihr da was ausprobieren möchtet, tut Ihr das immer auf eigene Gefahr. Cricut nimmt sich logischerweise nichts davon an, wenn dabei etwas beschädigt werden sollte. Man muss also immer abwägen, ob die Einsparung die möglichen Probleme aufwiegt.
Es gibt auch „Universal-Stifthalter“ für den Cricut, die dann anstelle des linken Plastikhalters in die Klemme des Cricut eingesetzt werden. Auch das funktioniert, wie ich feststellen konnte. Aber auch hier der Hinweis: Alles auf eigene Gefahr. Wenn es irgendwo „Knack“ macht, steht Ihr ohne Garantie da. Weder der Hersteller des Fremdwerkzeugs noch Cricut werden sich davon etwas annehmen.
Man liest auch hin und wieder, dass man die Klingen durch Roland-Klingen ersetzen kann. Auf den ersten Blick sind diese sehr ähnlich. Sie lassen sich auch in den Halter einsetzen.

Welchen Plotter soll ich mir holen?

Allerdings zeigt eine genauere Betrachtung der Klingen, die ich probehalber mal bestellt habe, dass diese scheinbar nicht immer ganz exakt gleich gearbeitet sind (links die goldene Klinge ist eine original Cricut, die beiden rechts sind Roland Klingen aus dem gleichen „Tütchen“, wobei die rechte im unteren Schaft einen Hauch länger ist, und auch die Schneide minimal anders geformt ist als bei der Originalklinge). Ich hatte noch keine Gelegenheit, die Klingen mal einem gründlichen Test zu unterziehen, aber ich vermute, dass man die Schneideparameter hier dann nach jedem Klingenwechsel wieder neu anpassen muss, und dass man nicht einfach die Parameter von Cricut übernehmen kann. Vielleicht habe ich hier auch einen Billignachbau von Rolandklingen „erwischt“, und andere wären vielleicht deutlich exakter. Also wenn Ihr mal was „Fremdes“ ausprobiert denkt immer daran, dass es eben nicht unbedingt exakt den Cricut-Spezifikationen entsprechen könnte, und so dann zu Schwierigkeiten führen kann. Wer sicher gehen will, und keine Lust auf „Rumprobieren“ hat, bleibt beim Original.

Der Cameo 4 entspricht in seinen Spezifikationen in etwa dem Maker, macht aber einen etwas „plastiklastigeren“ Eindruck. Außerdem ist er wohl lauter im Betrieb. Auch hier gibt es einen „neuen“ Werkzeughalter mit mehr Schneidkraft (in der Leistung dem Cricut vergleichbar), und einen „normalen“, der dem der Vorgängermodelle entspricht. Somit sind ähnliche Möglichkeiten wie mit dem Cricut gegeben.
Bislang gibt es hier noch nicht so viele unterschiedliche Zusatzwerkzeuge wie beim Cricut, aber ich würde sehr stark vermuten, dass da auch noch einiges kommen wird. Die Hersteller schauen bestimmt auch immer mal über den Tellerrand und versuchen, beim Mitbewerber gut laufende Dinge „nachzuempfinden“, oder etwas anzubieten, was der andere (noch) nicht hat.
Bei Silhouette erhält man ein „Automatikmesser“. Dieses hat keine wechselbaren Klingen, sondern muss immer komplett ausgetauscht werden. Die Vorgaben werden in der Software eingestellt, und der Plotter stellt dann vor dem Schneiden das Messer automatisch auf die eingestellte Klingentiefe ein. Während man früher bei der sogenannten „Ratschenklinge“ noch selbst am Messer drehen musste, (damit aber auch mehr Kontrolle hatte) macht das jetzt also das Gerät für uns. Das hat Vor- und Nachteile. Wenn alles korrekt läuft, ist es eine schöne Arbeitserleichterung (die allerdings auch ziemlich laut und nervig sein soll. Das Messer tickt für die Einstellung mehrfach auf). Aber: Man sieht nicht mehr, wie weit die Klinge aus dem Halter ragt, bevor das Gerät anfängt zu schneiden. Wenn es also mal zu einer Fehlfunktion kommt, und das Messer (z.B. weil es nicht ganz richtig im Halter eingesetzt ist) falsch eingestellt wird, schneidet man sich womöglich auch mal in die Matte.
Die „alten“ Werkzeuge vom Camoe 3 (und damit auch 1 und 2) kann man, wie es heißt, mit Hilfe eines Adapters weiterverwenden. Damit sollte auch das CB09 im Cameo 4 zu verwenden sein (was ich auch schon gelesen habe). Auch hier gilt aber das, was ich schon bei Cricut über „Fremdzubehör“ geschrieben habe: jede Verwendung erfolgt immer auf eigene Verantwortung. Wenn dabei etwas beschädigt wird, bleibt nur – Fluchen. Mein CB09 z.B. ist einen winzigen Hauch dicker als die Originalmesser von Silhouette. (Da die Teile in China hergestellt werden ist vermutlich immer mit leichten Abweichungen zu rechnen). Es hat ganz schön Überwindung gekostet, den Halter das erste Mal zu schließen. Ich hatte ziemliche Angst, dass was abbrechen würde. Zum Glück ist (bislang) nichts passiert, und mittlerweile lässt sich der Halter auch leicht schließen. Was aber zur Folge hat, dass Originalmesser eben nicht mehr so super „sitzen“ (was für mich nicht schlimm ist, ich verwende eh nur noch das andere…). Ob sich also der Adapter mit Hilfe seiner winzigen Plastik-Schließe wirklich immer und vor allem ohne Schaden zu nehmen um ein CB09 wird schließen lassen, und ob das dann zusammen gut in den Halter am Cameo 4 passt kann ich nicht sagen. Ich denke im Laufe der Zeit wird man in den Plottergruppen mehr zu Erfahrungen lesen. Ich selbst fände es super, wenn es funktioniert, denn nachdem ich mich erst einmal an das CB09 gewöhnt hatte und weiß, wie es einzustellen ist, möchte ich eigentlich kein anderes Messer mehr nutzen.
Auch Silhouette hat eigene Stifte, (Sketch-Pens), und sogar einen eigenen Universal-Stiftadapter, in dem man fremde Stifte verwenden kann.

Brother ist mir, wie schon gesagt nicht so vertraut.
Die Maschinen sollen sehr leise sein, und haben alle viel Schneidkraft (dem Wert nach etwa 6x so viel wie Portrait und Explore Air 2, aber nur etwa ein Drittel bzw. ein Viertel von Maker und Cameo), können demnach also auch stabilere und dickere Materialien wie Moosgummi, festen Filz, Graupappe und ähnliches schneiden. Bei der CM-Serie passen Materialien bis 1,5 mm Dicke in den Plotter, die DX-Serie hat sogar 3 mm Durchlass.
Auch als „Stiftplotter“ lässt sich der Brother nutzen, einen entsprechenden Adapter für die Stifte vorausgesetzt. Es gibt auch hier Brother-Stifte, und Adapter, um seine eigenen Stifte zu verwenden.

Software

Und nicht an letzter Stelle bei der Überlegung, mit welchem Plotter man zukünftig viele Stunden beim Basteln verbringen möchte, ist auch, wie dieser „gesteuert“ wird, also welche Software man dafür braucht. Man sollte sich also anschauen, was die einzelnen Programme „können“, und wieviel Freiraum für eigene Arbeit sie einem bieten, bzw. ob man dafür dann noch weitere Software benötigen würde, und wie unkompliziert man somit mit dem Plotter arbeiten kann. Hier macht es natürlich auch einen großen Unterschied, ob man selbst Dateien erstellen möchte, oder hauptsächlich fertige Designs schneiden.

Brother – Canvas

Brother unterscheidet sich dabei am meisten von den anderen Herstellern, da diese Geräte auch „stand alone“ funktionieren, man somit eigentlich gar keinen Computer oder auch kein Tablet / Handy benötigt, um zu plotten. Die Geräte haben ein Touch-Display, über das alle benötigten Eingaben erledigt werden können, und einige Schriften und Formen bzw. Dateien sind auch schon im Gerät vorprogrammiert. Wieviele und welche das sind, unterscheidet sich von Gerät zu Gerät. Es gibt z.B. auch eine „Disney“-Edition, bei der man mit dem Gerät auch gleich einige Disney-Dateien erwirbt, die dann schon vorinstalliert sind. Man kann auch „Mustersammlungen“ zusätzlich zu den vorinstallierten Mustern kaufen, und dann z.B. weitere Geschenkboxen, Weihnachtsdeko oder Spitzendesigns schneiden. Dabei erwirbt man eine Aktivierungskarte, und kann die Designs dann online zur Nutzung freischalten.
Ergänzend gibt es aber auch ein eigenes Programm / eine eigne App – Canvas -(herunterzuladen als Canvas-Desktop-Version z.B. auf der Herstellerseite, oder direkt online im Browser zu nutzen), um die Dateien damit vorzubereiten oder bereits fertige Dateien zu laden, und den Schnitt dann zu starten. Man kann dafür wahlweise auf dem PC/Laptop oder auf einem Tablet oder Handy arbeiten. Canvas hat – wie alle anderen Steuerprogramme – sein eigenes Dateiformat (*.fcm), „versteht“ aber auch u.a. SVG-Dateien, ein Format, in dem sehr viele Dateien von Designern zu kaufen sind, und auch (vektorbasierte) PDFs. Ich war bei der Recherche zu diesem Artikel wirklich überrascht, was Canvas alles kann! Bisher lasen sich die Beiträge in den Facebook-Gruppen immer so, dass das Arbeiten mit Brother sehr kompliziert sein müsse, und man für fast alles auf „Fremdsoftware“ auszuweichen hat, aber scheinbar kann das Programm auch sehr viel Dinge, die man von einem „ganz normalen“ Vektorprogramm erwartet, wie z.B. Punktbearbeitung, Verschweißen, Subtrahieren… kurz gesagt, ich hab mal wieder völlig fasziniert von den unerwarteten Möglichkeiten viel zu lange auf Youtube Videos geschaut. Asche auf mein Haupt…
Die Brother-Geräte werden über USB oder WLAN (modellabhängig) mit dem PC verbunden, oder man überträgt Dateien mittels eines USB-Sticks.
Was das Programm wirklich alles kann hat Miriam in ihrem Kurs zur CM-Serie bestimmt auch wieder wunderbar zusammengestellt und erklärt. Den Brother-Kurs kenne ich selbst nicht (hab ja kein passendes Gerät dafür), aber er ist bestimmt genau so gut wie die Kurse für Silhouette und Cricut!

Silhouette – Silhouette Studio

Silhouette verfügt über das wohl umfangreichste eigene Programm zur Erstellung und Bearbeitung von Dateien, das dann auch den Schnitt steuert – Silhouette Studio.
In der Basisversion kann man die Silhouette-eigenen Dateien (*.studio3) öffnen, bearbeiten und speichern. Außerdem kann das Programm mit Dateien im Format DXF arbeiten, und JPG sowie PNG-Dateien öffnen, und dann im Programm in „plottbare“ Vektordateien umwandeln (Das heißt hier „nachzeichnen“).
Man kann zusätzlich zur Basisversion auch noch Upgrades erwerben, die dann weitere Programmfunktionen und vor allem auch das Arbeiten mit weiteren Dateiformaten freischalten. Was welches Upgrade bietet, findet man (immer aktuell) z.B. auf der Herstellerseite zusammengestellt (Englischkenntnisse vorausgesetzt, oder Ihr nutzt den Google Translator). Sehr schön auf Deutsch findet man dazu auch hier Informationen. Die Upgrades kann man entweder direkt bei Silhouette kaufen, oder (meist preiswerter) z.B. über Swing Design oder andere externe Anbieter (bei Swing Design z.B. mit Stand heute (Anfang Oktober 2020) etwa 25 Euro von der Basis-Version auf die Designer-Edition, rund 37 Euro für Designer Plus und gut 53 Euro für die Business-Version.) Man kann von der Basis-Version direkt auf die gewünschte Version upgraden, also z.B. auf Business, aber auch „schrittweise“, also zunächst von Basis auf Designer, und dann von Designer auf Business. Daher immer gut aufpassen, welches Upgrade man gerade kauft, und nicht nur schauen, was als „Ziel“ dabei steht, sondern auch, von welcher Version aus man upgraden möchte. Sonst hält die Freude über das „Schnäppchen“ nicht lange…
In der Designer-Version kann man dann SVG Dateien (also z.B. in deren Shops gekaufte Dateien von Designern) öffnen und verarbeiten, in der Business-Version erhält man zusätzlich die Möglichkeit, auch Dateien als SVG (oder auch JPG oder PNG) zu speichern, wodurch man die im Studio vorbereiteten Dateien dann auch anderweitig und auf anderen Plottern nutzen kann.
Silhouette hat einen „Store“, in dem man eine Vielzahl an Dateien, Mustern und Schriftarten (Fonts) kaufen kann, oder für den man verschiedene Abos abschließen kann. Dann kann man z.B. für einen monatlichen Beitrag von etwa 8,50 Euro Dateien/Muster/Schriften im Wert von rund 21 Euro herunterladen. Ein kostenloses Konto im Store erlaubt einem, wöchentlich ein Freebie zu erwerben, und außerdem Dateien zum Listenpreis zu kaufen. Je mehr man also beabsichtigt, den Store zu nutzen, umso eher lohnt sich ein Abo. Dateien aus dem Store sind normalerweise im STUDIO3-Format, also auch nur mit Silhouette Plottern zu nutzen. Ein Speichern dieser Dateien als SVG ist, soweit ich das weiß, nicht möglich. Für einen kleinen Mehrbetrag kann man aber meist auch SVG-Dateien zusätzlich erwerben.
Die Dateien aus dem Store und auch selbst erstellte Dateien kann man in einer Bibliothek speichern, die direkt aus dem Programm zugänglich ist. Diese Bibliothek liegt in einer Cloud, man kann sie aber auch lokal sichern. Die Bibliothek kann durch eigene Ordner ergänzt und übersichtlich gehalten werden. Man kann aber auch parallel dazu oder ausschließlich alles auf der eigenen Festplatte speichern. Bei jedem „speichern unter“ kann man sich neu entscheiden, wo die Datei liegen soll.
Ich muss zugeben, dass ich mich im Store nicht wirklich auskenne, da ich alle meine Dateien ausschließlich lokal speichere (mit regelmäßiger Sicherung auf einer externen Festplatte natürlich!), und die meisten Dateien auch selbst erstelle. Dieser Schritt ist für mich das eigentlich Faszinierende am Plotten – fertige Dateien zu nutzen, besonders für Papierprojekte, ist mir nicht genug Herausforderung. Aber wer nicht ganz so viel Zeit in seinem Hobby versenken kann und möchte wie ich, findet im Store bestimmt eine große Auswahl an brauchbaren Projekten. Was mich am Store etwas stört ist, dass die Dateien natürlich fast ausschließlich für den amerikanischen bzw. englischsprachigen Raum erstellt sind. Karten oder andere Projekte mit „Schrift“ gibt es daher meist nicht auf Deutsch. Die Schriftarten enthalten in der Regel keine „deutschen“ Sonderzeichen wie „ä, ö, ü, ß“. Meist kann man sich behelfen mit einem um 90 Grad gedrehten Doppelpunkt, den man über das a, o oder u legt, oder mit „ss“ oder einem mittels Punktbearbeitung angepassten “B”, aber ich find’s halt unpraktisch, und nutze daher lieber Schriften, die mir die Sonderzeichen gleich „mitbringen“. Zum Glück ist die Nutzung aller auf dem PC installierten Schriften im Studio ohne Probleme möglich.
Das Programm selbst ist, wie schon geschrieben, überaus umfangreich, aber trotzdem eigentlich einfach zu verstehen, wenn man sich ein bisschen damit befasst. Was genau es alles kann, schaut Ihr am besten in Plottertante-Videos auf Youtube an, oder Ihr gönnt Euch ihren Kurs. Ich fürchte, wenn ich hier alles aufzählen wollte wäre ich morgen noch dabei… Bereits die Basis-Version bringt eigentlich alles mit, was man so braucht (verschiedene Formen, unterschiedliche Linien, die Möglichkeit, Linien verschiedene Eigenschaften (durchbrochen, unterschiedlich geformt, Dicke, Farbe…) zuzuordnen, die Möglichkeit geschlossene Formen sehr einfach mit Farben, Farbverläufen oder vorinstallierten sowie selbst erstellten oder extern gekauften Mustern (z.B. durch „Drag and Drop“) zu versehen. Man kann Formen verschweißen, subtrahieren, abschneiden, aufteilen, er gibt Punktbearbeitung, Nachzeichnen, Offset (!), und gefühlt noch 1000 weitere Möglichkeiten. Mittels Print and Cut kann man dann die selbst eingefärbten Werke drucken und schneiden lassen – eine Funktion, die ich überaus gerne nutze.
Kleiner Tipp: Mit Hilfe der Pipette bei der Farbauswahl für die Füllfarben kann man bei Karten oder Boxen die Hintergrundfarbe wunderbar an verwendete Digistamps anpassen, indem man eine Farbe aus dem Stamp „aufnimmt“, also nach Auswahl der Pipette anklickt. Das gefällt mir persönlich immer viel besser, als fertigen Bastelkarton zu verwenden.
Das Programm fügt für Print and Cut beim Ausdrucken „Passermarken“ hinzu, die der Plotter dann mit Hilfe eines eingebauten Sensors erkennt, und zur Berechnung nutzt, wo genau er zu schneiden hat.
Mit „Senden“ wird die vorbereitete Datei an den Plotter übergeben. Das Programm zeigt nun über ein „Hervorheben“ von verschiedenen Pfaden an, wo genau welches Werkzeug im Prozess zum Einsatz kommen wird. An dieser Stelle kann man auch noch durch Auswählen einer bestimmten „Schneidelogik“ oder durch Setzen oder Entfernen von Häkchen Schneidepfade aktivieren oder deaktivieren. Man kann also vorab genau kontrollieren, ob die richtigen Linien gezeichnet und/oder geschnitten werden, oder ob man noch irgendwo einen Denkfehler in der Datei hat. Das hat mich schon oft davor bewahrt, Material zu verschwenden.
Silhouette Studio gibt einem also jede Menge Freiheit und Kontrolle beim Erstellen von eigenen oder bei der Bearbeitung vorhandener Dateien. Wer daran Spaß hat ist mit einem Silhouette-Plotter auf jeden Fall gut beraten, da man hier meiner Meinung nach mit den wenigsten Umwegen über „Fremdsoftware“ auskommt. Oder man nutzt das Studio in der Business-Version, und verwendet die fertigen SVGs dann auf einem anderen Plotter…Aber auch wer einfach nur einen Knopf drücken und loslegen möchte ist hier nicht falsch.

Cricut – Design Space

Cricut arbeitet mit dem Design Space. Dieses war bis vor kurzem noch in einer Browserversion verfügbar, es gibt es aber jetzt nur noch in der Desktop-Version. Das Design Space ist ebenfalls kostenlos verfügbar. Hier gibt es allerdings keine Möglichkeiten, zusätzliche Funktionen dazu kaufen zu können.
Auch hier hat man etliche Möglichkeiten, eigene Dateien zu erstellen. Was mir persönlich sehr fehlt sind aber die Möglichkeit zur Punktbearbeitung, und die Offsetfunktion. Dafür muss man regelmäßig auf andere Programme ausweichen, z.B. das Silhouette Studio oder auch das kostenfreie InkScape, oder kostenpflichtige Varianten wie z.B. Affinity Designer, Illustrator oder Corel Draw, und die fertigen Dateien dann hochladen.
Es gibt eine Reihe Funktionen, die das Erstellen und Anpassen von Dateien ermöglichen. Teilweise muss man mit einer etwas anderen „Denkart“ an das Programm heran gehen, dann stellt man fest, dass die Möglichkeiten gar nicht so viel anders sind. Funktionen sind anders benannt als z.B. im Silhouette Studio, manchmal muss man weitere Aktionen ausführen (z.B. das „ebnen“ und „verbinden“, damit das Programm nicht beim Herstellen an unterschiedlichen Stellen falzt und schneidet), aber oft kann man das gleiche Ziel erreichen.
Viel komplizierter und unübersichtlicher als bei Silhouette finde ich, dass man keine Dateien oder Muster mittels Drag and Drop in das offene Bearbeitungsfenster ziehen kann. Auch ein Copy-Paste von Elementen von einem Projekt in ein anderes ist leider nicht möglich. Beim Design Space muss man alles erst hochladen, um es dann einfügen zu können.
Eine eigene Möglichkeit, gespeicherte Dateien (Projekte) nach eigenen Vorgaben zu organisieren existiert leider nicht, worunter die Übersichtlichkeit nach einiger Zeit aus meiner Sicht doch stark leidet. Aber vielleicht wird hier ja noch einmal nachgebessert, wenn genug danach gefragt wird.
Das Design Space kann verschiedene Dateiformate importieren. Dies sind JPG, GIF, PNG, BMP als Pixeldateien, und im Vektorbereich SVG und DXF. Schriftarten dürfen in OTF oder in TTF vorliegen, man kann also eigene Schriften verwenden. Musterfüllungen von SVG-Dateien (z.B. Farbverläufe oder mehrfarbige Füllungen (Fotos, Digipapiere), mit denen man z.B. in Silhouette Flächen gefüllt hat) kann das Design Space nicht verarbeiten, da diese Füllungen in der Regel keine Vektordateien sind.
Hat man z.B. einen Digistamp im Studio bearbeitet, mit einem Offset versehen und als SVG-Datei gespeichert, würde das Design Space diesen beim Hochladen mit einer einzigen Farbe füllen. Man müsste die Datei im Studio als Bild (JPG oder PNG) speichern, und dann ins Design Space importieren. In einem anderen Programm erstellte Dateien mit „Schrift“ sollten immer im anderen Programm in Pfade umgewandelt und als SVG gespeichert werden, um Probleme beim Importieren ins Design Space zu vermeiden. (Cricut hat für solche Probleme eine sehr ausführliche Hilfeseite, die man auch auf Deutsch lesen kann.)
Für ehemalige Silhouette-Nutzer hat das Design Space also einige Fallstricke parat. Wenn man allerdings ohne „Vorbelastung“ an das Programm heran geht, bzw. sich auf etwas „Umdenken“ einlässt, ist es ebenfalls recht einfach zu verstehen, und die meisten Vorhaben sind umsetzbar – hin und wieder allerdings unter Zuhilfenahme von Fremdsoftware, wie z.B. für Offsets oder Punktbearbeitung.
Für mehr Informationen, was das Programm alles „kann“ empfehle ich auch hier einen Blick in die Videos oder den Kurs von „Plottertante“!
Dateien werden vom Design Space regelmäßig in der Cloud gespeichert. Man kann zusätzlich wählen, ob sie auch auf dem eigenen PC abgelegt werden, hat aber keinen Einfluss auf den Speicherort. Eine eigene „Ablageorganisation“ ist somit nicht möglich, und das Wiederfinden von einmal erstellten und gespeicherten Dateien wird mit der Zeit und steigenden Menge immer komplizierter. Auch können Cricut-Projekte nicht auf anderen Plottern genutzt werden.
Auch bei Cricut gibt es eine Plattform für fertige „Projekte“ wie sie hier heißen. Diese Mediathek enthält eine Menge fertiger Projektideen, die man sich zur Inspiration ansehen kann. Man findet Ideen für alle denkbaren Bereiche, Schnittmuster, Lederarbeiten, Verarbeitung von Balsaholz, Papierbasteleien und Textilveredelung und, und, und…Sehr schön ist, dass hier alles mit Fotos gezeigt wird, so dass man sich immer gut vorstellen kann, wie das fertige Werk später aussehen wird. Einige dieser Projekte sind mit einem grünen „a“ für „Cricut Access“ gekennzeichnet. Der Cricut Access-Bereich enthält sehr viele Projekte, Schnittmuster, Schriftarten, Bilder und fertige Designs, die man im Rahmen eines Abos nutzen kann.


Das bei Silhouette zu den Dateien und Schriftarten, die hauptsächlich für den englischsprachigen Raum erstellt sind, Gesagte gilt hier natürlich genauso. Cricut-Schriften haben (zumindest soweit ich sie bislang probiert habe) keine deutschen Sonderzeichen (ä, ö, ü, ß), und das meiste im Access ist Englisch. Aber man kann auch im Design Space eigene Systemschriften (also das, was an Fonts auf dem Computer installiert ist) nutzen. Schön bei den Cricut-Schriften ist, dass man bei manchen für die Darstellung mit einem Stift auf „Schreiben“ umstellen kann, und die Buchstaben dann wirklich in einer einzigen Linie gezeichnet werden.
Auch bei Cricut kann man ausgedruckte Elemente „zielsicher“ ausschneiden. Die Funktion heißt hier „Print then Cut“, und das Programm fügt dabei einen dicken, schwarzen Rahmen um das auszuschneidende Objekt hinzu, der dann von einem Sensor abgefahren wird, um die Lage des Objektes auf der Schneidematte genau bestimmen zu können. Die Fläche, die für das Objekt (oder die Objekte) zur Verfügung steht ist daher etwas kleiner als bei Silhouette, und darf maximal 23,5 x 17,2 cm messen. Außerdem sollte man beachten, dass die Funktion zurzeit nur mit Apple-Geräten oder einem Computer möglich ist, in Android steht sie noch nicht zur Verfügung.
Bei der „Übergabe“ der vorbereiteten Datei an den Plotter teilt Design Space die Objekte dann je nach zugeteilter Farbe auf verschiedene „Matten“ auf. Man kann dann selbst noch ein wenig umsortieren, und dann zum Schneiden „weiterreichen“. Nach Auswahl des Materials und Einsetzen des Werkzeugs (hier dirigiert das Programm einen Schritt für Schritt durch den Prozess) beginnt der Plotter zu arbeiten.
Aus meiner Sicht hat man hier ein wenig weniger Kontrolle über das, was dann tatsächlich „passieren“ wird, als bei Silhouette, da man die Funktion zwar bei der Vorbereitung auf den „Ebenen“ einstellen kann, aber dann nicht mehr kleinteilig angezeigt bekommt, was passieren wird, aber das mag auch meiner Gewohnheit geschuldet sein, dass ich immer gerne im letzten Schritt bevor das Werkzeug loslegt noch einmal schaue, was genau es da tun wird. Und das ist hier für mich nicht so gut zu durchschauen, und die Kontrolle darüber liegt für meine Gewohnheit etwas zu „früh“ im Prozess. Aber daran muss ich mich vielleicht auch einfach nur gewöhnen.

Zusammenfassend lässt sich allgemein zur Software sagen, dass auch hier nicht die Eierlegende Wollmilchsau existiert. Alle Programme bieten eine Auswahl an „Fertigdateien“ an, bei denen man nur noch Material einlegen muss und loslegen kann. Alle bieten einem aber auch die Möglichkeit, selbst (noch) kreativ(er) zu werden, oder Dateien von „systemfremden“ Erstellern zu nutzen. Und bei allen kommt man nicht umhin, dass man sich in die Denkweise des Programmes einarbeiten muss, um wirklich alle Möglichkeiten ausschöpfen zu können. Brother ist der einzige, bei dem man keine externe Hardware benötigt, um die grundlegenden Scheidearbeiten auszuführen – allerdings ist man dann auch ein Stück weit eingeschränkt auf die Dinge, die im Gerät gespeichert sind.

Meine Empfehlung lautet, sich einfach mal alle Programme herunterzuladen und auszuprobieren, bevor man sich für einen Plotter entscheidet. Auch ein Blick auf Youtube in Videos, wo mit den Programmen gearbeitet wird, ist klug. Dabei kann man recht schnell erkennen, ob man das jeweilige Programm „logisch“ findet, oder ob es einem eher Fragezeichen in die Augen zaubert. Falsch machen kann man eigentlich mit keinem etwas. Hier entscheidet wirklich der eigene Geschmack. Und letztlich hat man bei allen Plottern immer die Möglichkeit auch auf „fremde“ Vektorprogramme zurück zu greifen, die Dateien dort zu erstellen, und als SVG zu speichern. Brother und Cricut können diese Dateien dann „nativ“ schon verarbeiten, bei Silhouette muss man dafür noch in ein Upgrade investieren. 

Scanner – PixScan – SnapMat

Die Brother Geräte haben einen integrierten Scanner, mit dessen Hilfe man Elemente auf der Schneidematte in einem Arbeitsgang erkennen und schneiden lassen kann. Um dies mit Silhouette Geräten zu tun benötigt man eine spezielle Matte (PixScan) und einen externen Scanner oder eine Kamera. Bei Cricut ist dies (zurzeit) nur mit Hilfe der SnapMat-Funktion über iOS (Apple) möglich, für Android oder den PC gibt es leider noch keine Lösung. Viele Nutzer hoffen, dass sich das bald ändert, aber noch ist dazu leider nichts angekündigt worden.

Materialien

Alle drei Hersteller bieten passend zu ihren Plottern eigene Materialien an, auf die dann auch die voreingestellten Schneide-Einstellungen im Programm ausgerichtet sind. Möchte man also ohne viel Überlegen und Herumprobieren einfach auf einen Knopf drücken und passende Ergebnisse erhalten, sollte man sich jeweils die vom Hersteller des jeweiligen Plotters angebotenen Materialien beschaffen. Wenn man „Fremdmaterialien“ verwendet muss man immer erst einmal ausprobieren, welche Einstellungen die passenden sind. So ist z.B. das Cricut-Vinyl scheinbar deutlich „massiver“ als das in Deutschland erhältliche „Fremd“-Vinyl (z.b. von Oracal) , und der Schneidedruck muss deutlich nach unten angepasst werden. Allgemein heißt es, die Einstellungen für „Washitape“ würden ganz gut passen.
Dafür kann man aber bei Verwendung von selbst gewählten Materialien auch oft ein paar Euro sparen, bzw. hat weniger Probleme, Material zu besorgen (nicht alles, was in Amerika angeboten wird, ist auf dem deutschen Markt erhältlich) oder auch eine noch größere Auswahl an Möglichkeiten.
Es gibt auch bei allen Anbietern zusätzliche „Sets“ für besondere Arbeiten, wie z.B. Infusible Ink (Sublimation) bei Cricut, Stempelmaterial bei Brother und Silhouette, Embossing bei Brother oder Siebdruck bei Silhouette. Die meisten lassen sich vermutlich mit etwas Tüftelei auch bei den anderen Plottern verwenden, wenn nicht spezielle Werkzeuge involviert sind, die in die Halter der Plotter eingesetzt werden müssen.

Letzte Worte

Ja, und welchen Plotter soll man nun kaufen?

Ich kann nur sagen, der Trend geht zum Zweit- oder Drittplotter (oder noch mehr…), wenn man erstmal „angefixt“ ist, und unbedingt alles ausprobieren und nutzen möchte, was mit Plottern möglich ist.
Letztlich sind die heute auf dem Markt befindlichen Geräte alle gut, es gibt keinen, von dem man unbedingt abraten sollte, und man muss immer für sich selbst schauen, zu welchem man sich am meisten „hingezogen“ fühlt.

Die Basics (Folien und Bastelpapiere) können alle. Da brauchen wir nicht lange zu diskutieren. Hier kann man also nach Preis, Optik oder Sympathie entscheiden, oder danach, wie man mit der Software klarkommt.
Die Joy kann nur „klein“ und „nicht so dick“, ist also ein sehr spezielles Gerät und aus meiner Sicht eigentlich nur als Zusatzgerät geeignet, da man doch zu schnell an Grenzen stößt.
Für dickere oder „stabilere“ Materialien fallen Portrait und Explore Air 2 weg, Portrait auch bei allem, was größer ist als DIN A4. Also wenn Ihr heute schon Richtung „mehr“ schielt, seid Ihr bei denen auch falsch. Wenn Euch Größe und Funktionsumfang reichen, sind die beiden auch richtig für Euch.
Stoff ohne Verstärkung können nur der Maker und der Cameo 4, weil nur sie ein Rollmesser haben, wer also viel mit Stoff arbeiten möchte wäre hier richtig. Ebenso alles, was mehr „Wumms“ braucht. Die Brothergeräte sind bei der Kraft etwas unterhalb von Maker und Cameo 4 anzusiedeln, aber auch bei denen habe ich erstaunliche Projekte gesehen. Da müsste man sich also vermutlich vorher gut erkundigen (z.B. in Plottergruppen auf Facebook), ob Vorstellungen umsetzbar sind.
Der Maker hat aus meiner Sicht die breitgefächertsten Möglichkeiten – dafür ist er aber auch feste teuer, und auch die Werkzeuge kosten nicht gerade wenig.
Das Design Space gefällt mir nicht so gut wie Silhouette Studio (da kann man aber bestimmt auch diskutieren, Gewohnheit ist nicht zu vernachlässigen), dafür ist der Cameo 4 zwar von der Leistung vergleichbar zum Maker, hat aber (noch) nicht so viele verschiedene Werkzeuge, und ist auch lauter im Betrieb und insgesamt mehr „Plastik“. Wenn Ihr aber heute schon über richtig große Wand-Tattoos oder ähnliche große Sachen nachdenkt, und nicht viel “stückeln” möchtet, bleibt nur der Cameo 4 (oder einer seiner noch größeren „Brüder“), wegen der Möglichkeit Rollenware oder noch mehr als 30 cm Breite zu schneiden. Oder die Brother-Geräte aus der DX-Serie die mit Rollenhalter und ohne Matte arbeiten können.

Ihr seht: Ihr werdet doch selbst entscheiden müssen.

Und wenn Ihr Euch einmal für ein Modell entschieden habt, lernt es richtig kennen, mit allen Vor- und Nachteilen. Das Gras auf Nachbars Wiese ist sowieso immer grüner, so dass es ziemlich wahrscheinlich ist, dass über kurz oder lang Zweifel an der Entscheidung aufkommen werden. Das ist ganz logisch, denn wie schon gesagt: Man sieht im Laufe der Zeit immer mehr, was die Geräte so alles können, und es werden immer neue Möglichkeiten hinzukommen, und wie das Schicksal es meist so will ausgerechnet das, was man gerade TOTAL spannend findet bei dem Gerät, gegen das man sich entschieden hatte. Aber da arbeitet dann auch wieder die Zeit für Euch. Jeder Plotter geht auch mal kaputt, und dann muss ein Neuer her… Oder der Trend geht dann doch zum Zweitgerät. Anders als bei der Entscheidung für einen Partner für’s Leben können hier auch mehrere nebeneinander glücklich koexistieren!

Scherz beiseite: Es gibt aus meiner Sicht keine falsche Entscheidung bei dem, was momentan so an Plottern angeboten wird, sondern höchstens eine nicht komplett durchdachte Entscheidung in Hinsicht darauf, was man für Pläne hat.

Also allen Mut zusammengenommen, und einfach eines der tollen Geräte nach Hause bestellt! Gewöhnen muss man sich eh an alle. Und alle haben Sonnen- und Schattenseiten. Aber mit allen kann man auch tolle Erfahrungen sammeln und jede Menge Freude haben.

Ich hoffe, ich konnte etwas Hilfe bei der Entscheidungsfindung geben, wünsche Euch Durchblick und Mut bei der Entscheidung und dann jede Menge Spaß mit „Eurem“ Plotter! Erzählt uns gerne in der Facebookgruppe von Plottertante, für welches Gerät Ihr Euch entschieden habt, und warum. Und natürlich möchten wir auch alle Eure tollen Projekte sehen!

Welchen Plotter soll ich mir holen?

Nachsatz: Wenn Ihr dann mit tollen Folien super Motive geschnitten habt kommt bestimmt auch bald die Frage auf, wie man die denn am besten auf’s Textil bekommt. Das Bügeleisen erweist sich meist rasch als nicht unbedingt das Lieblingsgerät dafür, und es ist außerdem auch aus verschiedenen Gründen sinnvoller eine Transferpresse zu benutzen. Zu dem Thema gibt es im Blog von Plottertante auch schon einen Beitrag (Transferpressen – Hilfe bei der Kaufentscheidung) und auch ein Video auf Youtube: Also gerne einfach mal reinschauen!

Und für alle, die immer noch nicht genug zu lesen hatten gibt es hier auch noch weitere Informationen über Plotter:
https://hobbeasy.de/schneideplotter-test/#tab-con-7 (nicht mehr ganz aktuell bezüglich der verglichenen Geräte, aber die Tipps passen immer noch)
https://www.plotter-berater.de/schneideplotter-ratgeber/
https://www.plotter-berater.de/wie-funktioniert-ein-plotter/
https://www.unser-kreativblog.de/allgemein/plotter-im-vergleich/
https://support.brother.com/g/b/manualtop.aspx?c=de&lang=de&prod=hf_cm600euk (Handbücher für Brother-Zubehör)
http://www.silhcdn.com/m/d/silhouette-handbook-de.pdf
https://help.cricut.com/hc/de

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